Ein auffälliger Ankertext lässt sich erst richtig einordnen, wenn klar ist, auf welcher Seite er steht und wohin der Link führt. Bei der Prüfung eines Bonus-Ankertexts geht es deshalb nicht allein um einzelne Wörter. Entscheidend sind die Richtung des Links, die verlinkende Seite, das Linkziel und der Zusammenhang, in dem der Verweis erscheint.
Zuerst die Linkrichtung bestimmen
Ein Backlink zeigt von einer fremden Website auf die untersuchte Domain. Ein ausgehender Link führt dagegen von der untersuchten Seite zu einem anderen Ziel. Dieselbe Formulierung kann in beiden Fällen auftauchen, hat aber unterschiedliche Bedeutung: Bei einem Backlink ist sie der Ankertext, mit dem eine externe Seite auf die Domain verweist. Bei einem ausgehenden Link beschreibt sie den Text, den die untersuchte Website für einen Verweis nach außen verwendet.
In SEO-Berichten werden diese Perspektiven leicht verwechselt, besonders wenn Tabellen Links nach Ankertext gruppieren. Vor jeder Bewertung sollte daher feststehen, welche Domain geprüft wird und welche URL als Quelle beziehungsweise Ziel des Links erfasst wurde. Ein Export mit den Spalten „verlinkende URL“, „Ziel-URL“ und „Ankertext“ ist dafür hilfreicher als eine reine Liste von Begriffen.
Quelle und Ziel nachvollziehen
Ein belastbarer Prüfpfad beginnt mit der konkreten Fundstelle. Die verlinkende URL sollte im Browser geöffnet und der Link im Seiteninhalt lokalisiert werden. Anschließend lässt sich im Quelltext oder im gerenderten DOM prüfen, ob der sichtbare Text tatsächlich dem erfassten Anker entspricht und welche Adresse im href-Attribut steht. Abweichungen können etwa durch JavaScript, Weiterleitungen oder nachträgliche Änderungen der Seite entstehen.
Bei einem konkreten Datensatz kann etwa der Anker bonus ohne einzahlung einer Zieladresse gegenübergestellt werden. Die Beobachtung dokumentiert zunächst nur das Verhältnis zwischen Wortlaut und Zielseite; sie beweist für sich genommen weder, wer den Link gesetzt hat, noch warum dies geschah. Für eine Einordnung sind die Fundstelle, der Seitentyp und der umgebende Text ebenso wichtig.
Weiterleitungen sollten separat erfasst werden. Die im Link hinterlegte Adresse kann von der endgültigen Zielseite abweichen. Auch Canonical-Tags, URL-Parameter und unterschiedliche Protokoll- oder Subdomainvarianten können die Zuordnung erschweren. Sinnvoll ist es, sowohl die ursprüngliche href-Adresse als auch die nach dem Aufruf erreichte URL zu notieren.
Kontext, Zeitpunkt und Verantwortlichkeit
Der sichtbare Absatz hilft zu beurteilen, ob ein Link redaktionell eingebettet, Teil einer Navigation oder in einem Kommentar beziehungsweise Nutzerprofil platziert wurde. Bei kommerziell wirkenden Ankertexten ist zusätzlich relevant, ob der Link als Werbung gekennzeichnet ist und ob Attribute wie rel=”sponsored” oder rel=”nofollow” gesetzt sind. Solche Merkmale liefern Hinweise, aber keine vollständige Erklärung seiner Entstehung.
Auch der Zeitpunkt zählt. Ein aktueller Abruf zeigt nicht zwingend, wie die Seite aussah, als ein SEO-Crawler den Link entdeckte. Deshalb sollten bei strittigen Fällen Crawl-Datum, gespeicherte HTML-Daten und gegebenenfalls archivierte Seitenstände verglichen werden. Wenn sich eine URL verändert hat, kann ein früherer Linkbericht den ursprünglichen Zustand besser abbilden als die heutige Seite.
Ergebnisse vorsichtig bewerten
Ein unpassender Ankertext ist zunächst ein Prüfhinweis, kein Beleg für Manipulation oder eine bestimmte Absicht. Die Quelle kann redaktionell, nutzergeneriert oder technisch erzeugt sein; ohne Kontext bleibt die Ursache offen. Für eine nachvollziehbare Bewertung sollten Prüfer deshalb Fund-URL, Ziel-URL, Ankertext, Linkrichtung, Abrufdatum und sichtbaren Seitenkontext gemeinsam festhalten.
So lässt sich sauber unterscheiden, ob ein Bonus-Begriff als eingehender Backlink auf eine Domain verweist oder von deren eigener Seite nach außen führt. Erst diese Unterscheidung schafft eine verlässliche Grundlage für weitere Schritte, etwa eine manuelle Prüfung, eine Nachfrage beim Seitenbetreiber oder eine Korrektur fehlerhafter Daten im Linkprofil.